Welches Katzenfutter soll ich kaufen?

Hallo ihr Lieben,

ich werde immer wieder gefragt, welches Katzenfutter ich empfehlen würde. Diese Frage lässt sich im Endeffekt nicht so einfach beantworten, da ich einen seeeeeeehr hohen Anspruch an das Futter habe. Da ich selbst entscheiden will, was in meine Tiere kommt, stelle ich das Futter auch selbst zusammen und füttere diese mit rohem Fleisch. Wer dies von mir erlernen möchte, kann gern an meinem Vortrag “BARFEN für Katzen” teilnehmen. Anmeldung hier .

Ich verstehe aber auch, dass BARFen nicht für jeden zeitlich möglich ist oder auch der Ekel von rohem Fleisch, rohen Innereien oder gar Blut sehr groß ist. Und wenn ich vergesse Futter aufzutauen, greife ich auch zu einem “Notfutter”.

Ich erkläre euch hier einfach mal, worauf es MIR bei Katzenfutter ankommt

1. Deklaration:

Beim Fertigfutter unterscheidet man zwischen geschlossener, halb-offener und offener Deklaration. Hier ein paar Beispiele

Geschlossene Deklaration: Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (38%, davon 94% natürlich*, u.a. 4% Huhn), Getreide, Mineralstoffe (0.5%), Öle und Fette (u.a. 0.1% Sonnenblumenöl), Zucker. Whiskas Geflügelauswahl 1+

  • 38 % Fleischanteil ist für eine Katze viel zu wenig
  • 94 % von diesen 38 % sind natürliches Fleisch…
  • und von diesen 38 % Fleisch und tierischen Nebenerzeugnissen, sind 4 % Huhn – und schon darf sich diese Sorte laut EU-Richtlinien “Geflügel”nennen
  • der Rest an tierischen Anteil kann alles mögliche sein und von allen möglichen zum Verzehr geeigneten Tieren kommen
  • Getreide kann auch alles von Weizen, Hafer, Mais, etc und deren Abfallprodukte sein

Halboffene Deklaration: Hühnerfleisch, -herz, -leber, -muskelmagen (70 %); Fleischbrühe vom Huhn (29,3 %); Mineralstoffe (0,5 %); Lachsöl (0,2 %) Leonardo Finest Selection “Huhn pur” 

  • Hier sieht der Verbraucher, dass 70 % vom Futter aus Hühnerfleisch, -herz, -leber, -muskelmagen bestehen
  • Rechnet man alle Bestandteile mit 70 %, 29,3 %, 0,5 % und 0,2 % zusammen – sieht man 100 % Bestandteile
  • Unklar ist noch der Anteil an Fleisch, Herz, Leber, Magen

Offene Deklaration: Hühnerfleisch 95% in Lebensmittelqualität (davon 60% Hünchenmuskelfleisch, 17,5% Hühnerherz, 17,5% Hühnerleber, 5% Hühnermägen), Karotte 1,6%, Zucchini 1,6%, Gurke 1,6%, Kalzium in Form von gemahlenen Eierschalen, Meersalz, Zusatzstoff Taurin 1.000mg/kg Lucky Kitty Premium Katzenfutter Huhn

  • Offene Deklaration ist äußerst selten
    • Erklärung der Hersteller: Rezeptur soll geheimgehalten werden
  • Hier sieht man als Verbraucher 99,8 % der Inhaltsangaben, weiß wie viel von welchem Teil vom Huhn enthalten ist, wieviel von welchem Gemüse verarbeitet wurde

MEIN FAZIT: Je genauer die Deklaration, desto weniger hat der Hersteller zu Verstecken

2. Inhalt

Abgesehen davon, dass ich darauf achte, dass zum Fleisch genügend angaben gemacht sind, dass nicht zu viel Innereien und am liebsten kein billiges und schwer verdauliches Bindegewebe (wie Lunge, Euter, Pansen) im Katzenfutter sind, ist es mir wichtig, welche anderen Zutaten enthalten sind.

Obst – hat in der Katze nichts zu suchen. Das braucht die Katze nicht, sie kann damit nichts anfangen und klingt im Endeffekt nur für den Menschen appetitlicher (Fleischmenü mit Aprikose).

Hoher Gemüseanteil: Katzen sind Fleischfresser und benötigen aller-allerhöchstens 10 % Gemüse. Persönlich gehe ich niemals über einen Anteil von 5 % Gemüse und auch nur dann, wenn es sich um Karotten, Kürbis oder Zucchini handelt. Diese dienen der Katze als Ballaststoffe für eine bessere Verdauung. Rote Beete, Tomaten, Paprika, etc haben in der Katze nichts zu suchen.

Kohlehydrate: Getreide, Kartoffeln, Erbsen, Bohnen, Soja, Quinoa, Amaranth, Reis, Nudeln, uvm – das sind alles Kohlehydrate, die die Katze nicht so verwertet, wie es ein Mensch oder ein Hund tut. Kohlehydrate werden von Katzen in Glukose umgewandelt, welche zur Energiegewinnung herangezogen werden. Katzen stellen Glukose jedoch vorrangig aus tierischen Bestandteilen her, was bedeutet hier wird mehr Glukose hergestellt als benötigt wird, was schnell zu Übergewicht und den Folgekrankheiten führen kann.

Pflanzliche Öle: Das klingt auch immer sehr gesund: Sonnenblumenöl, Diestelöl, Leinöl. Diese sehe ich sehr oft im Katzenfutter. Problem: Diese Öle sind Omega-3-Öle und sollen dem Menschen und dem Hund dienen diese in die wichtige Arachidonsäure umzuwandeln. Katzen fehlt jedoch das Enzym um pflanzliche Öle zu verwerten und es schwirrt wieder ein – für die Katze – wertloser Bestandteil im Körper, der dann auch noch über die Leber abgebaut werden muss, was diese aber nur ganz langsam hinbekommt und auf Dauer in größeren Mengen schädlich sein kann. Die Menge an pflanzlichen Ölen ist zwar meist gering, aber ich bin – wie bereits gesagt – sehr pingelig. Warum etwas in die Katze reinstopfen, mit dem sie eh nichts anfangen kann?

Fleisch: Für mich ist wichtig, dass der Muskelfleischanteil den größten Teil der tierischen Bestandteile ausmacht, denn so ist es bei der Maus schließlich auch. Herz ist ebenso wichtig, da es einen hohen Taurinanteil hat. Leber, Niere, Milz und Lunge sollten einen kleinen Anteil ausmachen. Die Leber an sich ist sehr wichtig, da sie die Hauptquelle an Vitamin A ist. Denke ich an die Rohfütterung reichen aber oft wenige Gramm täglich, um den Bedarf der Katze zu decken. Fakt ist aber, dass Katzen die lebenswichtigen Aminosäuren ausschließlich aus tierischen Eiweisen synthetisieren können.

UND Machen wir uns nix vor: Es sei denn wir kaufen das Fleisch vom lokalen Bauern – jedes Fertigfutter enthält Fleisch aus der Massentierhalten und die Kühe haben eher selten glücklich auf der Weide gegrast. Ich habe bisher von einem Futtermittelhersteller die Behauptung gehört, es werden nur Weidetiere im Futter verwendet. Da diese Behauptung auf deren Website jedoch nicht niedergeschrieben ist, werde ich auch den Hersteller nicht nennen.

Taurin: Taurin ist eine essentielle Aminosäure, die Katzen dummerweise nicht selbst synthetisieren können. Damit sind sie wohl auch das einzige Säugetier… Der Bedarf an Taurin liegt bei 50 mg pro Kilo. Eine 4 kg Katze benötigt also mindestens 200 mg Taurin täglich. Taurin ist extrem hitzeempfindlich. Und nun schau mal auf dein Katzenfutter. Wenn Taurin enthalte ist, steht dort die Angabe, wieviel Taurin in 1 kg Katzenfutter enthalten ist (vor der Verarbeitung). z.B. 400 mg/kg. Wie ist deine Einschätzung?

3. Fütterungsempfehlung

Ein weiteres Indiz, ob ein Futter hochwertig ist oder nicht, ist die Fütterungsempfehlung. Meine Beispiele beziehen sich nun alle auf eine Katze mit 4 kg Gewicht.

  • Eine 4-kg-Katze, die gebarft wird, bekommt am Tag etwa 100 – 120 g BARF. Davon kann sie das meiste verwerten und dementsprechend klein sind auch die Häufchen.
  • Die Fütterungsempfehlung vom oben genannten Whiskas Gelügelauswahl 1+ liegt bei 3 Portionsbeuteln (je 100 g), also 300 g pro Tag. Von diesen 300 g sind 38 % tierischer Anteil (also 114 g).
  • Leonardo empfiehlt 2 – 3 Portionsbeutel (je 85 g) für die 4-kg-Katze, wobei ich hier zu 2 Beuteln für ruhigere Wohnungskatzen tendiere und zu 3 Beuteln bei aktiven Freigängern. Wir liegen also bei 190 g – 255 g.
  • Lucky Kitty empfiehlt “4 % des Körpergewichtes”, was in unserem Fall 160 g sind.

Schaut doch mal auf euer Futter und die Fütterungsempfehlung. In der Regel hat das Futter mit einer höheren empfohlenen Menge einen größeren Kohlehydrat oder Bindegewebeanteil und ihr kauft im Endeffekt mehr Futter ein. Und wenn wir einmal ganz ehrlich sind, dann spielt der Preis vom Futter doch oft auch eine Rolle.

4. Trocken vs Nass

Diese Diskussion hatte ich neulich wieder in einer Facebook-Gruppe gesehen und mich doch verleiten lassen mitzumischen. Ich sollte das wirklich lassen…

Meine Antwort ist: Füttere, was du für richtig hältst. Füttere was du willst. Aber! Sei dir der möglichen Konsequenzen bewusst.

Trockenfutter hat einen Feuchtigkeitsgehalt von unter 14 %. Dieser muss nicht einmal auf der Packung ausgewiesen werden. Es ist inzwischen den meisten Katzenbesitzern bekannt, dass unsere Hauskatze von der afrikanischen Falbkatze abstammt. Diese lebt in der Wüste und bekommt die meiste Feuchtigkeit über ihre Beutetiere. Unsere Stubentiger haben im Laufe der letzten 70 – 80 Jahre leider nicht gelernt, dass sie ganz viel trinken müssen, wenn sie Trockenfutter fressen. Tun sie dies nicht, entzieht das Futter dem Körper Wasser, denn das Futter wird in der Regel quellen – egal wie. Probiere es doch einfach mal aus. Lege einen Krümel Trockenfutter in ein Glas Wasser und schau es dir an. Wie oft habe ich als Katzensitterin bereits erbrochenes Trockenfutter aufwischen dürfen, weil die Katze zu viel gefressen hat, es aufgequollen ist und nirgendwo sonst hin konnte, als vorn wieder hinaus.

Es gibt so ziemlich kein Trockenfutter, welches keine Kohlehydrate enthält. Warum? Damit die restlichen Zutaten (Tiermehl, Rübenschnitzel, Cellulose, usw) zusammenhalten, sonst würde alles zerfallen. Und… es ist natürlich billig.

Beachtet bitte auch die Fütterungsempfehlung von Trockenfutter, denn die ist bei weitem geringer, als im Feuchtfutter. Nehmen wir wieder Whiskas. Empfehlung für unsere 4-kg-Katze beim Nassfutter: 300 g am Tag. Und das Trockenfutter? Ganze 55 g. Du müsstest also das Futter täglich auf 55 g abwiegen, um zu verhindern, dass deine Katze übergewichtig wird und/oder einen Überschuss an Nährstoffen zu sich nimmt.

Übrigens – Fun Fakt – Trockenfutter wurde erst um die Zeit des 2. Weltkrieges in den USA erfunden. Und Katzenfutter gibt es erst seit den 60er/70er Jahren.

Ich habe vor einer Weile einen Teil der Website www.catinfo.org übersetzt. Dort gibt es noch einige Infos mehr über die Grundlagen der Katzenernährung und Trockenfutterfütterung.

5. Was würde ich denn nun empfehlen?

Viel geschwafelt, nix gesagt. Ich persönlich mache eine Entscheidung aus:

  • Womit fühle ich mich mit meinem Wissen als Tierbesitzer wohl.
  • Womit fühle ich mich mit meinem Wissen als Ernährungsberater wohl.
  • Was wird (gern) gefressen.
  • Was kann ich mir leisten.
  • Und daraus schlussfolgernd, was ist das kleinere Übel?

Das bedeutet für mich, dass ich zur Not ab und an einige Sorten von Leonardo Finest Selection füttere (ausgenommen der Sorten mit Käse, Cranberries, Banane), Mac’s (ohne Obst, Kräuter), MjamMjam und – wenn es in Ausnahmefällen doch mal ein paar Krümel Trockenfutter gibt – die Sorte “Beute Nah” von Markus Mühle.

 

Das bedeutet nun jedoch nicht, dass diese Sorten die Besten da draußen sind und ich alle anderen schlecht finde. Ich sage nur, dass diese für MICH im Moment die akzeptablen Sorten sind. Wenn ihr mich in ein paar Monaten fragt, habe ich vielleicht ein anderes Futter gefunden, welches ich als besser geeignet empfinde. Schickt mir gern eure Empfehlungen 😉

Auch sind das noch lange nicht alle Faktoren, auf die man beim Fertigfutter achten sollte. Aber das wird ein anderer Blog-Beitrag 😉

Wer mehr über Fertigfutter erfahren möchte, darf gern zu meinem Seminar am 9.2.2019 kommen.

Eure Nicole

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