Diabetes bei Katzen

Hallo ihr Lieben,

heute möchte ich über Diabetes bei Katzen informieren. In den letzten Monaten habe ich 5 Neukunden gewinnen können, deren Katzen an Diabetes 2 erkrankt sind.

Diese Krankheit ist mittlerweile in der Humanmedizin in allermunde und ich denke, fast jeder von uns kennt jemanden, der an Diabetes erkrankt ist. Aber Katzen? Ja – jedes Säugetier kann zuckerkrank werden – auch der Wal.

2015 wurde geschätzt, dass 2 % aller in Deutschland lebenden Katzen an Diabetes erkranken. So langsam wird es eine Volkskrankheit, wie beim Menschen. Ein Grund für die steigende Zahl ist natürlich der, dass Haustiere heute beim Menschen einen ganz anderen Stellenwert haben, als noch vor 10 oder 20 Jahren. Ist das Tier krank, wird diagnostiziert und behandelt – nicht einfach eingeschläfert. Allerdings hat sich die Qualität vom Futter auch stark geändert. Ich erinnere mich, dass vor 20 Jahren die Fütterungsempfehlung von einer bekannten Futtermarke genau 200g Nassfutter für eine 4kg-Katze waren. Heute sind es 250 – 400g (je nachdem, welche Sorte man füttert).

Deshalb möchte ich euch heute ein wenig über die Krankheit erzählen, wie ihr erste Anzeichen an eurer Katze erkennen könnt und wie ihr der Miez helfen könnt. Denn… Diabetes 2 ist bei Katzen (und Menschen) HEILBAR!


Was ist Diabetes mellitus?

Bei der Typ-2 Diabetes handelt es sich um eine chronische Stoffwechselkrankheit. Oft wird sie auch die Zuckerkrankheit genannt, da der Zuckerspiegel im Blut erhöht ist. Grund ist, dass der Körper das Insulin kaum oder nicht annimmt aber „denkt“ es wäre kein Insulin da. D.h. es wird mehr Insulin produziert. Der Zucker staut sich in den Blutgefäßen an, da er nicht in die Zellen weitergeleitet werden kann.

Bei Katzen kann der Stoffwechsel durch Diabetes komplett aus den Gleisen geraten, weshalb die Krankheit auch so gefährlich ist.

Typen?

Es gibt 3 Typen von Diabetes:

  1. Diabetes Typ 1 ist eine unheilbare Autoimmunkrankheit. Die Bauchspeicheldrüse produziert kein oder kaum Insulin, die Glukose (Zucker) kann im Blutkreislauf nicht reguliert werden. Diese Form kommt meist bei Hunden vor, bei Katzen eher selten.
  2. Diabetes Typ 2 ist eine chronische Stoffwechselkrankheit, bei der der Körper das eine Insulin schlecht aufnimmt. Es wird mehr Insulin produziert und die insulin-produzierenenden Zellen sterben schließlich ab, wodurch es zu Insulinmangel kommt. Der Prozess ist also sehr schleichend.
  3. Diabetes Typ 3 ist eine Folgekrankheit von z.B. Pankreatitis oder hormonellen Krankheiten. Dieser Typ ist jedoch sehr selten.

Und was passiert dann?

Eine unbehandelte Diabetes schädigt im Körper langfristig die Blutgefäße und somit auch Organe und Nerven. Äußerlich sieht man anfangs keine Anzeichen. Die Krankheit ist schleichend und deshalb auch so gefährlich. Folgen von Diabetes können Herzinfarkte, Schlaganfälle sein, aber auch Nierenerkrankungen.

Es kann zu Erblindung führen, zu Unterzuckerung und somit auch ganz schnell zum Tod der Katze.


Symptome und Diagnose

Häufiges und vieles Trinken und Pieseln ist ein sehr erkennbares Symptom. Das Pippi ist klebrig, aufgrund der Zuckerausscheidung (Bei Klumpstreu bekommt man es dann schlecht vom Plastik ab). Die Katze hat viel Hunger, nimmt jedoch rapide ab, da die Nahrung nicht mehr verwertet werden kann und die Katze Fettreserven nutzt. Zudem sind die Katzen aufgrund des Energieverlustes schlapp und müde. Es kann zu häufigen Blasenentzündungen oder Harnwegsinfekten kommen. Manche Katzen zeigen auch einen komischen Gang.

Wenn ihr mehrere dieser Anzeichen bei eurer Katze feststellt, bringt sie sofort zum Tierarzt eures Vertrauens und lasst ein Blutbild machen. Anhand der Fructosaminwerte und der HbA1c kann man erkennen, ob eine Katze an Diabetes erkrankt ist. Hier sollte man jedoch die Langzeitwerte in Betracht ziehen. Eine Katze, die zum Tierarzt muss, ist meist gestresst und das kann sich auch auf die Blutwerte übertragen. Auch sollten die Ketonwerte überprüft werden, welche den Säuregehalt im Blut angeben. Ist auch dieser erhöht, ist das ein weiteres Anzeichen von Diabetes.

Zudem sollten man die Urinwerte und die Zähne untersuchen. Sind hier Entzündungen kann es zu Problemen bei der Therapie kommen, da die Entzündungswerte gegen das Insulin arbeiten.


Ursachen

Wie beim Menschen auch, sind Übergewicht und Bewegungsmangel ein großer Risikofaktor, dass die Katze an Diabetes 2 erkrankt. Ab wann ist die Katze übergewichtig? Schaut euch die Katze von oben an und fasst an Ihren Brustkorb. Wenn eine stärkere Bauchwölbung zu sehen ist und die Rippen nur schlecht oder gar nicht zu erfühlen sind, ist die Miez zu dick.

Übermäßige Cortisongabe kann ebenfalls zu Diabetes führen, denn Cortison ist ein Gegenspieler von Insulin und wird leider zu häufig gegeben. Allerdings spielen auch die Gene oder das Alter eine Rolle, sowie bestehende Krankheiten, wie hormonelle Erkrankungen, chronische Entzündungen (z.b. der Bauchspeicheldrüse).

Die Ursachen sind also doch denen beim Menschen recht ähnlich.

Fest steht jedoch, dass Katzen mit Übergewicht eher dazu neigen Diabetes 2 zu entwickeln, als normalgewichtige Katzen. Das spielt der Bewegungsmangel eine Rolle. Aber eine ganz gewaltige Rolle spielt die Fütterung.


Therapie

In den meisten Fällen kommt man nicht darum herum Insulin zu spritzen. Blind zu spritzen ist jedoch selten eine gute Idee.

Wie misst man den Blutzucker einer Katze? Es gibt die Möglichkeit am Ohr oder am Pfotenballen zu messen. Diese Werte sollten Anfangs mehrmals täglich zu Hause genommen werden, da der Blutzuckerwert bei Tierarzt auch durch Stress erhöht sein kann.

Der Normale Blutzuckerwert einer Katze sollte zwischen 50 und 120 mg/dl (Milligramm pro Deziliter) liegen.  Liegt der Wert unter 150 mg/dl, so muss man noch nicht unbedingt Insulin spritzen. Eine Ernährungsumstellung kann hier bereits Wunder bewirken. Sofern der Blutzuckerwert höher ist sollte man Insulin zusätzlich geben. Die Dosis muss hier genau abgestimmt werden. Anfangs wird eher weniger verabreicht, um eine versehentliche Unterzuckerung der Katze zu vermeiden. Die Unterzuckerung kann für die Katze ohne schnelles Handeln durch den Menschen fatal sein.

Wie erkenne ich die Unterzuckerung? Torkeln, Verwirrtheit, Epileptische Anfälle oder gar Ohnmacht sind Zeichen der Unterzuckerung und hier solltet ihr sofort eine Traubenzucker oder Honiglösung ins Maul geben.

Welches Insulin? Hier gibt es unterschiedliche Arten und je nach Tierarzt werden unterschiedliche Insuline verschrieben.

Caninsulin ist ein Insulin für Hunde, welches jedoch auch für Katzen genutzt wird aber nicht unbedingt geeignet ist. Viele Tierbesitzer und Tierärzte haben jedoch die Erfahrung gemacht, dass Langzeitinsulin aus der Humanmedizin für Katzen geeigneter ist (z.B. Lantus oder ProZink).

Anders als beim Menschen sollte man das Insulin bei Katzen NACH dem Füttern und etwa alle 2 Stunden spritzen. Warum nach den Essen? Wenn eine Katze frisst, steigt der Blutzucker in die Höhe. Das gleicht das zugefügte Insulin wieder aus. Hat die Katze jedoch einen schlechten Tag und will nichts fressen oder übergibt sich gleich nach dem Futtern wieder, besteht die Gefahr einer (fatalen) Unterzuckerung.

Wunderbare Informationen zur Insulineinstellung findet ihr auf katzendiabetes.info/therapie.php


Ein weiterer, wichtiger Schritt der Therapie, welcher sich nicht verhindern lässt ist eine Ernährungsumstellung. Ganz wichtig ist es hier Futter zu nehmen, welches sehr wenig bis gar keine Kohlehydrate enthält. Davon abgesehen, dass Katzen Kohlehydrate nicht verwerten können, diese nicht brauchen und generell schaden (und u.U. zu Krankheiten, wie Diabetes, führen), lassen Kohlehydrate den Blutzuckerspiegel mächtig in die Höhe steigen, bevor er kurze Zeit später rapide wieder absackt. Das beansprucht die Katze noch mehr und ist höchst gefährlich.

Deshalb sollte hier auf hochwertiges Nassfutter umgestellt werden, welches keine Kohlehydrate enthält. Auch Kochen oder BARFEN sind hier eine sehr gute Option.

Unter keinen Umständen solltet ihr ein Diätfuttermittel von bekannten großen Firmen nutzen, da diese sehr viele Kohlehydrate und ungewollte Zusatzstoffe enthalten. Weiterhin solltet ihr unter keinen Umständen Trockenfutter füttern, da dies der Gesundheit der Katze durch den Feuchtigkeitsverlust noch mehr schadet. Zudem enthält Trockenfutter immer Kohlehydrate, da diese nötig sind um die Bröckchen überhaupt zusammen zu halten.

Diabetische Katzen sollten niemals hungern und im besten Fall mehrere kleine Mahlzeiten pro Tag bekommen. Verweigert die Katze das Futter oder erbricht es, ist dies in der Regel kein gutes Zeichen und sie sollte sofort zum Tierarzt des Vertrauens.


Kosten

Die Diagnose beläuft sich mit Blutbild, Urinprobe, etc auf etwa 70 – 150 EUR. Beim Insulin müsst ihr mit zwischen 30 und 70 EUR pro Fläschchen rechnen, je nach Insulinart. Die Spritzen liegen bei ca. 20 EUR. Eine Stechhilfe/Lanzette, Blutzuckermessgerät und Teststreifen solltet ihr euch zusätzlich zulegen. Und die Futterumstellung auf hochwertige Fütterung sollte ebenfalls nicht vergessen werden, denn eine Dose hochwertiges Nassfutter liegt bei etwa EUR 1,50 für 400g. Barfen/Kochen ist in der Regel günstiger. So kann die Diabetes einer Katze euch monatlich gut 100 bis 200 EUR kosten. Da sind die Tierarztbesuche nun nicht mit rein gerechnet.

 

Ich hoffe, ich konnte euch einen guten Überblick zu der Krankheit geben. Tipps zur Fütterung von geeignetem Futter und zur Futterumstellung bekommt ihr gern von mir.

 

Eure Nicole

 


Quellen:

http://www.katzendiabetes.info/

https://www.katze-mit-diabetes.de

https://www.diabetes-ratgeber.net/Diabetes-Typ-2

http://www.tillydiabetes.net

Handbuch „Katzenkrankheiten“, Sabine Schroll, 2008

„Katzenkrankheiten“ 4. Auflage, W.Kraft und U.M. Dürr, 1996

 

 

Bookmark the Permalink.