Hundeführerschein – praktische Prüfung

Praktische Sachkundeprüfung § 3 Absatz 1 Satz 1 NHundG

Unglaublich aber wahr – Murphy lebt nun seit einem Jahr bei uns. Wir haben viel erlebt und sind weit gekommen.

Das hieß aber auch, dass meine Frist zum Bestehen der praktischen Sachkundeprüfung ablief. Denn diesen muss man innerhalb eines Jahres nach bestandener Theorie nachholen.

Ich war mir sehr unsicher ob Murphy und ich soweit sind. Er ist noch immer sehr ängstlich und wenn er seine „Phase“ hat, dann macht er dicht, wie ein Teenager. Ich habe mich natürlich im Netz schlau gemacht und es klingt alles sehr streng. Aber es war zum Glück alles halb so wild. Wichtig ist es zu wissen, dass nicht der Hund geprüft wird, sondern ihr als Menschen.

Ich ging also wieder zum Prüfer meines Vertrauens (Gerrit von der Hundeschule Nordlicht in Jork). Wichtig ist es die Chipnummer des Hundes und den Namen der Haftpflichtversicherung parat zu haben. Es gab 11 Prüfungssituationen, von denen mindestens 6 bestanden werden müssen. Diese spielen sich zum Teil in ruhiger Umgebung ab (z.B. Parks, Feldwege) und zum Teil an einem belebten Ort (Fussgängerzone, stark befahrene Straße).

  1. Kontrolle von Zähnen, Ohren und Pfoten (hinten und vorn) – Das solltet ihr regelmäßig mit eurem Hund üben, dann ist es kein Problem
  2. Sitz, Platz, Steh ODER Bleib – Euer Hund muss ein bis zwei dieser Kommandos können und spätestens nach dem dritten Versuch sitzen, liegen, etc
  3. Rückruf – Der Hund muss spätestens nach dem dritten Rückruf reagieren und zu euch kommen. Hier kommt es auf den Prüfer drauf an in welcher Situation der Hund sich befindet. Tollt er gerade auf dem Hundeplatz herum und muss dann zu euch kommen oder wird er aus Situation 2 (Sitz, Platz, Bleib,…) zu euch gerufen?
  4. Gehen an der Leine – Die Leine sollte nicht ständig gespannt sein und der Hund sollte nicht machen was er will (von links nach rechts, wie er Lust hat, anspringen, versuchen los zu rennen,…).
  5. Begegnung mit Menschen – Ideal ist es, wenn der Hund die Menschen ignoriert. Sofern er jedoch Interesse an den Mitmenschen zeigt ist es an euch als Hundehalter sicher zu stellen, dass der Hund die Menschen nicht behindert, anspringt oder gar angreift.
  6. Begegnung mit Fahrradfahrern, Joggern, Kinderwagen – Hier gilt das gleiche, wie bei Situation 5.
  7. Begegnung mit anderen Hunden – Dieser Punkt hat mir besonders viel Sorge bereitet, da Murphy ein Angstbeller ist. Das bedeutet 99 % aller anderen Hunde (groß, klein, dick, dünn, männlich, weiblich) werden erst einmal angekläfft. Meine Aufgabe als Hundehalter war es hier ebenfalls sicher zu stellen, dass Murphy keine Gefahr für den anderen Hund und dessen Halter ist. Deshalb arbeiten wir jetzt auch daran, dass Murphy sich an den Maulkorb gewöhnt.
  8. Gehen an einer stark befahrenen Straße – Wichtig ist, dass der Straßenverkehr nicht gefährdet wird, in dem der Hund z.B. einfach auf die Straße springt. Ideal wäre auch, wenn der Hund nicht zu gestresst wirkt. D.H. ihr solltet es ab und an mit eurem Hund üben an einer größeren Straße zu laufen.
  9. Überqueren einer stark befahreren Straße – Wie Situation 8.
  10. Begegnung mit Radfahrern/Joggern – Dies sollte ohne Behinderung der Personen und des Straßenverkehrs geschehen.
  11. Begegnung mit fremden Menschen/Personengruppen – Wie Situation 10.

Sofern 6 von 11 Situationen bestanden sind, du als Halter den Hund unter Kontrolle hast (der Hund niemanden angreift, anspringt, sich nicht kontrollieren/beruhigen lässt) und du dich als Halter dem Hund, anderen Menschen und anderen Hunden gegenüber angemessen verhältst, hast du diese Prüfung bestanden.

Im Nachhinein hätte ich mir sicher nicht ein Jahr Zeit lassen müssen, da man die Prüfung wirklich sehr leicht bestehen kann. Von Vorteil ist es sicher auch, wenn der Prüfer deinen Hund schon durch die Hundeschule kennt. Wichtig ist es aber, dass du als Halter deinen Hund kennst und einschätzen kannst. Du darfst deinen Hund so oft du willst belohnen, du darfst Hilfsmittel einsetzen (Halti, Maulkorb), du darfst einen Bogen um Menschenmengen gehen.

Sehr informativ fand ich die Seite https://www.training-fuer-hundebesitzer.de/nds-hundegesetz-hundef%C3%BChrerschein/ und spätestens nach diesem Video konnte ich mir vorstellen zu bestehen.

Es war also, wie gesagt, alles halb so wild und ich war mächtig stolz auf Murphy, dass er mir so toll geholfen hat die Prüfung zu bestehen.

Sofern ihr Fragen habt, meldet euch gern bei mir.

Eure Nicole

Jetzt reichts… ich brauche Hilfe…

… von einem Hundetrainer.2016-03-29 19.10.25

Im März 2016 kam Murphy, unser kleiner Russe, in unser Heim. Man kann nicht genau sagen, was er für eine Vorgeschichte hat. Er kam wohl aus einem Haushalt mit vielen Hunden und Katzen. Das war’s.

Schon bevor er bei uns einzog, wusste ich, dass es nicht einfach wird und dass Murphy sehr viel Geduld und Hilfe benötigt sich an liebevolle Menschen und ein sicheres zu Hause zu gewöhnen. Aber was sollte ich machen… ich hatte mein Herz an den kleinen Wuschel verloren.

Ich begann mich intensiver mit dem Thema Hund zu beschäftigen. Doch mittlerweile weiß ich, dass andere Menschen immer besser wissen, wie man einen Hund zu führen und zu trainieren hat. Und wenn ich 10 Hundetrainer frage, werde ich eh 10 unterschiedliche Meinungen hören.

Vorerst versuchte ich es jedoch ohne Experten. Murphy war sehr schreckhaft, verkroch sich immer gleich unter Tische und folgte mir wohin ich auch ging. Wenn ich zurück blicke, hat er keine Ruhe bekommen und musste immer kontrollieren, was ich gerade tat. Obwohl Murphy mit vielen Hunden aufgewachsen zu sein schien, auch in seiner Pflegestelle mit anderen Hunden gelebt hat und auch mit meinen Gassi-Hunden kein Problem hat… so hat er große Probleme mit anderen Hunden, die wir beim Gassi-Gehen treffen. So niedlich der kleine Mann ausschaut – sobald ein anderen Hund kommt, so kommt der Werwolf in Murphy heraus. Es klingt wirklich nicht nett.

Nun denn. Nach etwa 2 Monaten waren wir soweit, dass er an der Schleppleine lief und zu 90 % der Zeit zu mir kam, wenn ich ihn rief. Auch probierte ich es ab und an ohne Leine. Das 1. Mal lief er mir weg, als wir einen kleinen Mittagsspaziergang machten. Murphy fixierte eine Stelle im Gras, die etwa 30 Meter entfernt war und rannte los. Ich rief ihn, aber er reagierte nicht. Also versuchte ich einfach weiter zu gehen und siehe da – er folgte. Es dauerte 15 Minuten und eine ganze Reihe Snacks um ihn wieder einzusammeln. Ich war natürlich etwas panisch. Klar. Ich weiß. Man soll ruhig bleiben. Das überträgt sich auf den Hund… Ob der Tierarztbesuch einen Tag vor dem Ereignis eine Rolle spielte?

Dann ging 2 Wochen alles gut. Murphy war gut drauf. Er begann sich zu freuen, wenn ich nach ein paar Sitting-Jobs wieder nach Hause kam und freute sich sichtlich – aber immer noch vorsichtig.

2016-06-19 15.30.47Und dann kam der Tag

Murphy und ich waren in Neu Wulmstorf um Futter bei meiner BARF-Lady Belinda zu kaufen. Murphy ging fröhlich im Haus und im Hof umher, nahm auch dankend Snacks von Belinda an und ließ sich streicheln (das 1. Mal von einer fremden Person!). Dann wollten wir los. Ich dachte: Die drei Meter zum Auto wird er ja ohne Leine gehen. Hat er schon zig mal vorher ohne Probleme gemacht. Doch aus irgendeinem Grund klickte es in dem kleinen Hund und er rannte davon. Auf die Straße. Autos mussten anhalten. In eine Straße hinein. Die nächste Straße hinaus. Auf die Straße. Und dann immer weiter richtig der stark befahrenen Wulmstorfer Straße. Leute pöbelten mich schon an, warum ich den Hund nicht an die Leine nehme (Welch große Hilfe das war, ich war schon sichtlich beunruhigt). 10 Minuten waren vergangen. Ich lief Murphy hinterher und sagt mir dann, ich probiere einfach zurück zu gehen. Ich rief ihn und ging zurück. Siehe da – er folgte mir. Er kam so nah, dass ich ihn fast hatte und prompt kam ein Fahrradfahrer aus dem Nichts und Murphy war weg. Er lief durch Gärten und Höfe der Anwohner und schließlich fanden wir uns auf einem verlassenen Grundstrück wieder. Hohes Gras, Sonnenschein. Ich fuhr das Auto dort hin, öffnete alle Türen und hoffte, er würde einfach rein springen. Murphy rannte seine bekannten Achten durch das Gras. Ich dachte: Toll, soll er mal solange machen, bis er müde ist. Und Murphy wurde müde. Aber zu keiner Zeit ließ er mich so nah ran, dass ich ihm die Leine umtun konnte. Snacks nahm er die ganze Zeit jedoch dankend an. In der Zeit war ich weiter in Kontakt mit Belinda. Zusätzlich waren mein Verlobter Alex, unser Kumpel,  Alex‘ Schwester, deren Freund und deren Hund unterwegs.

Murphy lag schließlich völlig erschöpft am Haus und ich entschloss, langsam auf ihn zu zu gehen. Fehler. Er stand sofort auf und bekam auf einmal solche Angst, dass er quieckend davon rannte. Ich versuchte ihm hinterher zu rennen, doch er war nicht in Sicht. Mein nächster Gedanke war: Der ist weg. Das war’s. Zwei Stunden waren schon vergangen. Ich rief ihn, pfiff, klickte mit der Zunge. Er zeigte sich noch ein paar mal. Aber man kam ihm nicht zu nahe.

Nach etwa 2 1/2 Stunden rief Alex an. Er steht vor Murphy etwa 200 Meter entfernt. Da hat der Kleine einen ganzschön großen Radius mitgenommen… Schließlich konnte ich Murphy einen Sonder-Snack geben, der etwas Beruhigungsmittel drauf hatte. Jetzt könnt ihr mich lynchen… ich war verzweifelt und wollte Murphy nur noch in Sicherheit bringen. Schließlich lief Murphy in eine Sackgasse auf dem Anwesen von Belinda’s Nachbarn. Wir konnten ihn einkreisen und die Leine umlegen.

Und daraufhin entschied ich mich, einen Verhaltensspezialisten einzusetzen. Ich erkundigte mich und frug erst bei einer Dame nach, die mir eine Kundin empfohlen hat. Der erste Schritt dieser Hundeexpertin war jedoch gleich andere Hunde einzusetzen… da Murphy auf fremde Hunde unfreundlich reagiert, fühlte ich mich bei diesem Schritt nicht wohl. Und so kontaktierte ich Rocco von Rocco’s Outdoor-Hundeschule. Mir war zwar auch hier etwas mulmig zu mute, da Murphy etwas ängstlicher auf Männer reagierte. Aber ich wollte dem ganzen eine Chance geben.

Und so kam Rocco zu uns nach Hause, ignorierte Murphy und sprach erst einmal mit mir. Nach etwa zwei Stunden hatte er sich ein Bild gemacht und mir ein paar Tipps gegeben und nun mussten wir an uns arbeiten. Murphy hatte noch gar keine Bindung zu mir aufgebaut. Er fühlte sich bei mir noch nicht sicher und von der Leine lassen war keine gute Idee. Und das wird wohl auch noch eine Weile so bleiben.

Nach etwa 3 Wochen einfachen Dingen (von der Hand füttern, Snack-Such-Spiele und freundliches Ansprechen), konnten wir alle eine starke Besserung erkennen. Sogar meine 2016-04-25 08.08.54Tierärztin konnte das sehen. Wo Murphy in der einen Woche mich noch panisch beißen wollte, als ich ihn vom Tisch hob, war er 2 Wochen später viel gelassener. Wenn ich jetzt nach nur eine halben Stunde wieder heim komme, freut sich Murphy wie ein Schneekönig.

Mit Rocco’s Hilfe werden Murphy und ich nun noch viel gemeinsam lernen und uns beide besser kennen lernen. Es ist noch ein langer Weg, aber ich bin voller Zuversicht, dass Murphy ein fröhlicher Hund wird.

Ich kann euch Rocco auf jeden Fall empfehlen!!

Eure Nicole

Ein Hund kommt ins Haus – Hundeführerschein Buxtehude

Hallo ihr Lieben,

ich möchte euch heute von Murphy erzählen. Der kleine Wutz ist etwa 2 1/2 Jahre alt, stammt aus Russland und wurde Ende 2015 aus einem schrecklichen Haushalt mit vielen anderen Hunden und Katzen gerettet. Da er riesige Angst vor Männern hat, kann man davon IMG-20160331-WA0006ausgehen, dass er nicht viel schönes im Leben erlebt hat. Auch nach seiner Rettung musste er erst einmal ein paar Wochen in einer alten Sauna leben, da kein Platz in der Rettungsstation war und dann kam der kleine Mann zu seiner Pflegestelle bei Berry in Bendestorf, unweit von Seevetal.

Ich selbst dachte seit ein paar Monaten darüber nach einen kleinen Hund in unsere Familie zu holen und dann sah ich Murphy bei den Kleinanzeigen. Dann rief ich Berry an, besuchte Murphy 3 Mal und eine Woche später ist er bei uns eingezogen. Seine Begegnung mit Hermine und Turangalila lief wie ein Traum – er sah die beiden und er zeigte kein Interesse. Es war dann halt so, dass da Katzen waren. Die beiden  dachten das natürlich nicht. Da ich jedoch wusste, dass sie sich an Hunde gewöhnen würden (nachdem wir für eine Woche den Hund meiner Schwägerin betreut hatten), war ich überzeugt, dass sich die Mädels wieder einbekommen. Und so ist es auch.

Nun lebt der kleine Wutz seit 2 Wochen bei uns und gewöhnt sich langsam an sein neues  zu Hause. Ich kann ihn schon überall anfassen, auch wenn er noch oft skeptisch oder verängstigt ist.  Auch an meinen Verlobten und andere Bezugspersonen gewöhnt er sich langsam und nun fängt er auch an frech zu werden, spielen zu wollen und einfach Hund zu sein.

Hundeführerschein Buxtehude

Eine Sache, die seit knapp 3 Jahren dazu gehört wenn man sich einen Hund anschafft und noch nie einen hatte, ist der Sachkundenachweis – auch Hundeführerschein genannt. Seit 2013 ist dieser Pflicht in Niedersachsen und besteht aus einer theoretischen Prüfung und einer praktischen Prüfung.

Nach meiner Recherche konnte ich direkt in Buxtehude nur eine Hundeschule finden, bei der man den Hundeführerschein machen konnte. Für mich sprachen dann jedoch mehrere Gründe meine Prüfung bei der Hundeschule Nordlicht in Jork abzulegen. Zusammen mit einer anderen Schülerin und Gerrit von der Hundeschule habe ich dann im Hotel Deichgraf einen Kaffee getrunken und die Prüfung online abgelegt (und mit 100% bestanden 😉 ).  Wir hätten diese auch schriftlich ablegen können, dann hätter Gerrit diese jedoch erst einmal einschicken müssen und wir hätten warten müssen. Da das alles nun auch online geht, wussten wir das Ergebnis sofort.

Die Prüfung klingt schwieriger, als sie ist und besteht aus 35 Multiple-Choice Fragen, für die man 45 Minuten Zeit hat. Man muss insgesamt 70% der Fragen richtig beantworten, wobei mindestens die Hälfte der Fragen mit gesundem Menschenverstand und minimalen Hundekenntnissen zu „erraten“ sind. Andere Fragen sollte man vorher gesehen haben.

Vorbereitet habe ich mich mit der „Sammy- Der Hundeführerschein“ App (hier die Facebook-Seite) bei der man 170 prüfungsrelevante Fragen üben kann und auch Prüfungen testen kann. Dort kann man zwar oft mehrere Antworten geben, doch auch das hilft in der eigentlichen Prüfung. Denn obwohl bei der Prüfung nur eine Antwort richtig ist, sind die Fragen bei Prüflingen manchmal die gleichen, aber die Antwortmöglichkeiten unterschiedlich. Demnach finde ich, ist diese App super, um sich auf die theoretische Prüfung vorzubereiten.

Für die praktische Prüfung habe ich nun noch ein Jahr Zeit, um Murphy fit zu bekommen. Wenn es soweit ist, erzähle ich euch gern von meiner Erfahrung darüber.

Falls ihr Fragen zum Hundeführerschein habt, stehe ich euch gerne zur Verfügung.

Eure Nicole